Am Berg zählt nicht das Tagesmittel im Tal, sondern das Wetter oben, in den Stunden, in denen die Lifte fahren. Wer ein paar typische Wetterlagen kennt, liest die Vorhersage anders – und erspart sich manchen grauen, windigen oder eiskalten Tag.
Föhn: mild, klar – und stürmisch
Föhn ist ein Fallwind. Luft strömt über die Alpen, sinkt auf der anderen Seite in die Täler ab und erwärmt sich dabei um etwa ein Grad pro 100 Höhenmeter. Bei Südföhn – in Tirol, Salzburg und Bayern die häufigere Variante – staut sich die feuchte Luft an der Alpensüdseite; in Südtirol regnet oder schneit es dann oft. Auf der Nordseite ist es mild, trocken und die Fernsicht oft hervorragend. Über dem Alpenhauptkamm steht dabei häufig eine Wolkenwand, die Föhnmauer.
Für den Skitag heißt das: Auf exponierten Gipfeln und Graten kann der Föhn Sturmstärke erreichen. Am Patscherkofel bei Innsbruck wurden bei einer Föhnlage im Oktober 2024 Böen bis 107 km/h gemessen. Obere Lifte stehen dann oft still, während es im Tal fast frühlingshaft ist. Der Schnee wird in tieferen Lagen weich oder bekommt einen Deckel, oben verfrachtet der Wind Schnee in die Leehänge.
Föhn hält meist nicht lange. Bricht er zusammen, folgt auf der Nordseite häufig eine Front mit Westwind, Abkühlung und Schnee. Nordföhn ist das Spiegelbild: Er bringt kalte Luft hinter einer Kaltfront und weht vor allem auf der Alpensüdseite.
Inversion: Sonne über dem Nebelmeer
Normalerweise wird es mit der Höhe kälter. Bei einer Inversion ist es umgekehrt: In langen, windstillen Nächten unter Hochdruck kühlt die Luft am Boden stark aus und sammelt sich als Kaltluftsee in Tälern und Becken. Darüber sinkt die Luft ab, erwärmt sich und wird trocken. An der scharfen Grenze bildet sich oft Hochnebel, der sich in der schwachen Wintersonne tagelang halten kann.
Unten grau, feucht und kalt, oben strahlender Sonnenschein und deutlich milder – das ist die klassische Bergsonne über dem Nebelmeer. Für Skifahrer ist das oft ein Geschenk. Der Haken: Wer nur auf die Vorhersage für den Talort schaut, sieht Nebel und bleibt zu Hause. Achte deshalb auf die Werte in Berghöhe und darauf, wie hoch die Nebelobergrenze liegen soll.
Diffuses Licht und Whiteout
Bei dichter Bewölkung, Schneefall oder aufgewirbeltem Schnee wird das Licht zwischen Schneedecke und Wolken vielfach gestreut. Es kommt dann aus allen Richtungen, Schatten verschwinden. Skifahrer nennen das diffuses Licht oder Flachlicht: Bodenwellen, Kanten und Mulden sind kaum zu erkennen, obwohl die Sicht an sich gar nicht schlecht ist. Im Extremfall, dem Whiteout, verschwindet sogar der Horizont – Boden und Himmel gehen ineinander über, Entfernungen lassen sich nicht mehr schätzen und manche Menschen verlieren das Gleichgewichtsgefühl.
- Langsamer fahren und in der Nähe von Pistenmarkierungen, Bäumen oder Zäunen bleiben – sie geben Kontrast.
- Waldabfahrten sind bei Flachlicht oft angenehmer als baumfreie Hänge.
- Eine hellere Scheibe hilft: Skibrillen sind nach EN ISO 18527-1 in Filterkategorien von S0 (sehr hell) bis S4 (sehr dunkel) eingeteilt; bei Flachlicht passen die hellen Kategorien besser.
- In der Gruppe beisammen bleiben. Eine Sonnenbrille schützt die Augen vor UV, aber nicht vor dem Orientierungsverlust.
Wind und Liftbetrieb
Für Lifte zählen die Böen mehr als der mittlere Wind. Seilbahnen haben Windmesser an den Stützen, deren Werte laufend an die Antriebsstation gehen. Wann gebremst oder angehalten wird, ist für jede Anlage festgelegt und hängt vom Bahntyp und vom Gelände ab. Ein Bericht des SRF nennt als typische Werte eine Windwarnung ab etwa 40 km/h, ab der Betreiber zum Beispiel keine Fahrgäste mehr einsteigen lassen, und einen Windalarm ab etwa 60 km/h. Die Entscheidung trifft der Betreiber vor Ort.
In der Praxis trifft es zuerst die hohen, exponierten Sessellifte und Gipfelbahnen. Ein windiger Tag muss trotzdem kein verlorener Tag sein: Geschützte Waldabfahrten und tiefer gelegene Lifte laufen oft weiter. Die Böen am Gipfel und der Liftstatus des Betreibers sagen mehr als jede Wetter-App im Tal.
Kälte und Windchill
Wind entzieht der Haut Wärme. Der Windchill gibt an, wie kalt sich die Luft bei Wind auf ungeschützter Haut anfühlt. Seit 2001 verwenden die Wetterdienste Kanadas und der USA dafür eine gemeinsame Formel. Damit gerechnet ergeben sich zum Beispiel diese Werte:
| Luft | 10 km/h | 30 km/h | 50 km/h |
|---|---|---|---|
| −5 °C | −9 °C | −13 °C | −15 °C |
| −10 °C | −15 °C | −20 °C | −22 °C |
| −15 °C | −21 °C | −26 °C | −29 °C |
| −20 °C | −27 °C | −33 °C | −35 °C |
Environment Canada stuft gefühlte −10 bis −27 °C als mäßiges Risiko ein: Bei langem Aufenthalt ohne Schutz drohen Unterkühlung und Erfrierungen. Ab −28 °C kann ungeschützte Haut in 10 bis 30 Minuten erfrieren, ab −40 °C in 5 bis 10 Minuten; bei anhaltendem Wind über 50 km/h auch schneller. Auf dem Sessellift und bei der Abfahrt kommt dein eigener Fahrtwind dazu. Gesichtsschutz, eine zweite Schicht und kürzere Abschnitte mit Aufwärmpausen machen kalte Tage erträglich.
Schneefallgrenze und Nullgradgrenze
Die Nullgradgrenze ist die Höhe, in der die Lufttemperatur 0 °C beträgt. Fallender Schnee schmilzt darunter nicht sofort: Die Schneefallgrenze liegt immer tiefer, bei feuchter Luft meist 200 bis 400 Meter, bei sehr trockener Luft bis zu etwa 1000 Meter. Sie ist keine scharfe Linie, sondern ein Übergangsbereich von Schnee über Schneeregen zu Regen. Liegt sie mitten im Skigebiet, gibt es oben Pulver und auf der Talabfahrt Regen. Mehr dazu im Artikel Neuschnee, Schneehöhe und Schneefallgrenze.
Wetter für die Liftzeit
Kaiserwetter Ski zeigt das Wetter in Tal, Mitte und Gipfel mit Böen, Sonne und Nullgradgrenze – bewertet nur für die Stunden, in denen die Lifte fahren. Die gefühlte Temperatur am Gipfel rechnet Wind und Kälte zusammen, Schneefall während der Liftzeit wertet die App wegen Flachlicht negativ, und „Brille und Kleidung“ schlägt Scheibe und Gesichtsschutz passend zur Liftzeit vor.
Für die Anreise zeigt Kaiserwetter das Reisewetter entlang der Route, bei Alpenpässen mit Passhöhe und Schneefallgrenze.
Quellen
- SRF Meteo, J. Zogg (2022): Nordföhn vs. Südföhn – die Unterschiede
- daswetter.com (2024): Föhn in den Alpen: Sonne, Regen und Wetterkontraste (Stau, Föhnmauer, Böe am Patscherkofel)
- wetter.tv: Inversionswetterlage mit Nebel und Hochnebel
- Deutscher Wetterdienst / wetterdienst.de (2016): Whiteout – wenn alles weiß wird
- DIN Media: DIN EN ISO 18527-1 (Augenschutz für Abfahrtski und Snowboard, Filterkategorien S0–S4)
- SRF News (2026): Wie Seilbahnen mit starkem Wind umgehen
- Government of Canada: Wind chill and the Wind Chill Index (Risikostufen, Erfrierungszeiten)
- Windchill-Formel (Environment Canada / National Weather Service, 2001): Twc = 13,12 + 0,6215·T − 11,37·v0,16 + 0,3965·T·v0,16; Tabellenwerte selbst berechnet
- SRF Meteo: Die Schneefallgrenze – ein Bereich von mehreren hundert Metern