Neuschnee, Schneehöhe, Schneefallgrenze

Drei Zahlen, die im Schneebericht ständig verwechselt werden – und warum 30 cm Neuschnee nicht 30 cm mehr Schnee bedeuten.

Stand: November 2026 · Lesezeit etwa 5 Minuten

Drei Begriffe, drei Bedeutungen

Schneehöhe ist die gesamte Schneedecke, senkrecht gemessen vom Boden bis zur Oberfläche – alter und neuer Schnee zusammen. Gemessen wird sie mit einem fest stehenden Schneepegel oder automatisch per Laser oder Ultraschall, immer an einem Punkt. Im Skigebiet geben Betreiber oft zwei Werte an, für Tal und Berg, und auf präparierten Pisten kann der Wert vom Naturschnee daneben deutlich abweichen.

Neuschnee ist nur der Zuwachs in einem bestimmten Zeitraum, meist 24 Stunden. Die österreichische Wasserkreislauferhebungsverordnung definiert ihn als frisch gefallenen Schnee aus den 24 Stunden vor dem Messtermin; gemessen wird er auf einem waagrechten Neuschneebrett, damit der ältere Schnee darunter nicht mitzählt.

Die Schneefallgrenze ist keine Menge, sondern eine Höhe: Darüber fällt der Niederschlag überwiegend als Schnee, darunter als Regen. Sie liegt immer unterhalb der Nullgradgrenze – bei feuchter Luft meist 200 bis 400 Meter, bei trockener Luft bis etwa 1000 Meter – und ist eher ein Übergangsbereich als eine Linie. Für Skigebiete mit großem Höhenunterschied entscheidet sie, ob die Talabfahrt Pulver oder Regen bekommt.

Warum die Schneehöhe kaum steigt

Nach einer Nacht mit 30 cm Neuschnee steht die Schneehöhe am nächsten Morgen oft nur um einen Teil davon höher. Das hat mehrere Gründe:

Für den Skitag ist deshalb der Neuschnee die spannendere Zahl, für die Frage „Liegt genug für Pisten abseits der Beschneiung?“ die Schneehöhe.

Wie Modelle Neuschnee schätzen

Wettermodelle rechnen nicht in Zentimetern Schnee, sondern in Millimetern Niederschlag – dem Wasseräquivalent. Ein Millimeter entspricht einem Liter Wasser pro Quadratmeter. Wie viel Schnee daraus wird, hängt davon ab, wie locker der Schnee fällt.

Die gängige Faustregel lautet: 1 mm Niederschlag ergibt etwa 1 cm Neuschnee. Das entspricht einer Neuschneedichte von rund 100 kg pro Kubikmeter. Die Regel ist aber nur ein Mittelwert:

Dazu kommt, dass schon die Niederschlagsmenge selbst eine Prognose mit Unsicherheit ist, ebenso die Schneefallgrenze. Eine Angabe wie „20 bis 40 cm“ ist deshalb ehrlicher als „27 cm“. Und: Ein Modellwert ist keine Messung. Was tatsächlich liegt, zeigen Messstationen und die Schneeberichte der Betreiber.

So rechnet Kaiserwetter Ski

Kaiserwetter Ski nutzt genau diese Faustregel und rundet bewusst grob, über 10 cm auf 5 cm mit „~“. In Österreich wird gefallener Neuschnee aus der INCA-Analyse von GeoSphere Austria berechnet, erwarteter Neuschnee aus Modell-Niederschlag und Schneefallgrenze – beides ausdrücklich keine Messung. Dazu zeigt die App für österreichische Gebiete den Verlauf der Schneehöhe und je Gebiet Nullgrad- und Schneefallgrenze.

Für Favoriten gibt es eine Neuschnee-Mitteilung (Grund-Alarm ab 20 cm) und einen Hinweis auf einen First-Tracks-Tag nach Neuschnee mit klarem Vormittag.

Was Pulverschnee ausmacht

Pulverschnee ist kalter, trockener und lockerer Neuschnee mit viel Luft zwischen den Kristallen. Er entsteht vor allem, wenn es bei tiefen Temperaturen und wenig Wind schneit – also genau dann, wenn aus einem Millimeter Niederschlag mehr als ein Zentimeter Schnee wird.

Pulver bleibt nicht ewig Pulver. Wind presst ihn zu Triebschnee, Sonne und Wärme machen ihn feucht und schwer, und wenn es danach wieder abkühlt, entsteht ein harter Deckel. In schattigen, nordseitigen Hängen und in größerer Höhe hält er sich meist länger als auf sonnigen Südhängen.

Windverfrachtung

Wind ist der große Baumeister der Schneedecke. Auf der windzugewandten Seite (Luv) bläst er Schnee ab, sodass Kuppen und Grate oft abgeblasen, hart oder sogar aper sind. Auf der windabgewandten Seite (Lee) lagert er ihn wieder ab: hinter Kämmen, in Rinnen, Mulden und an Geländekanten. Dort entstehen Wechten und gebundene Schneeschichten – der Triebschnee.

Triebschnee ist eines der fünf typischen Lawinenprobleme. Er kann weich oder hart sein und ist immer gebunden: Bricht er, kann ein ganzes Schneebrett abgleiten. Nicht umsonst ist „lockerer Schnee und Wind“ eines der zehn Gefahrenmuster, mit denen die Warndienste in Tirol, Bayern und Südtirol arbeiten. Wo die frischen Triebschneeansammlungen liegen, beschreibt der amtliche Lawinenlagebericht mit Höhenlage und Exposition – mehr dazu unter Lawinenwarnstufen erklärt.

Für Pistenfahrer heißt das ganz praktisch: Nach einer windigen Schneenacht kann die eine Seite eines Grats tief verschneit und die andere eisig sein. Abseits gesicherter Pisten gehört Triebschnee zu den Gründen, warum der Lagebericht Pflichtlektüre ist.

Quellen

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